English EN
Back

Lerneinheit 1

Es war einmal...

1
talking
sitting in a circle
2
talking
sitting in a circle
3
painting
independently

Aktivität 1

Sprechen
Stuhlkreis
10 min.
Zettel + Stifte

Lehrkraft:

„Kennst du ein Märchen? Oder hast du vielleicht sogar ein Lieblingsmärchen? Heute kochen wir zusammen eine Märchensuppe. Damit meine ich natürlich keine echte Suppe zum Essen, sondern wir sammeln Zutaten, die unbedingt in einem richtigen Märchen vorkommen müssen. Was gehört denn alles in ein Märchen hinein?“

Die Schüler:innen nennen verschiedene Merkmale und Figuren, die typisch für Märchen sind (z.B. Es war einmal, Held:in, Bösewichte, magische Wesen, Happy End, Natur). Die Vorschläge werden von der Lehrkraft auf Zetteln notiert und gut sichtbar in der Mitte abgelegt.

Aktivität 2

Sprechen
Stuhlkreis
30 min.
M1 Ausdruck

Lehrkraft:

„Jetzt erzähle ich euch das Märchen Das tapfere Schneiderlein. Passt gut auf, denn ich brauche zwischendurch eure Hilfe, um die Geschichte lebendig werden zu lassen."

Die Lehrkraft liest das Märchen (M1) vor und animiert die Kinder, aktiv mitzumachen.

Das tapfere Schneiderlein - Die Gebrüder Grimm (gekürzte Erzählung)

Es war einmal ein Schneiderlein. An einem schönen Morgen saß es an seinem Tisch am Fenster und nähte fröhlich vor sich hin. Da kam eine Frau vorbei und rief: „Frisches Mus zu verkaufen!“ Der Schneider rief sie herein, kaufte ihr etwas Mus ab und strich es dick aufs Brot. Doch bevor er essen konnte, musste er noch seine Arbeit beenden. Er legte das Brot neben sich, nähte weiter und machte vor Freude immer größere Stiche. Dabei stieg der Geruch von dem süßen Mus in die Luft. Die Fliegen wurden in großer Menge herangelockt und ließen sich scharenweise auf dem Brot nieder. „Ei, wer hat euch denn eingeladen?" sprach das Schneiderlein und jagte die ungebetenen Gäste fort. Die Fliegen aber, die kein Deutsch verstanden, ließen sich nicht abweisen, sondern kamen in immer größerer Schar wieder.

Der Fliegenschwarm:

  • Die Kinder imitieren das Summen der Fliegen
  • Wie hört es sich an, wenn es immer mehr werden?
  • Ein Kind beginnt, das nächste setzt ein usw. bis alle gemeinsam summen. Mit einem lauten Klatscher sind alle still.
  • Umsetzung in Bewegung: Ein Kind beginnt herum zu schwirren, das nächste kommt dazu, usw. Mit einem lauten Klatscher liegen alle auf dem Boden. Die Kinder bleiben während dem nächsten Teil der Geschichte liegend am Boden.

Das Schneiderlein rief: „Was macht ihr auf meinem Brot?!“ und schlug mit einem Tuch auf die Fliegen. Dann zählte er: „Eins, zwei, drei... sieben! Sieben auf einen Streich! - Das soll die ganze Stadt erfahren.“ Voller Stolz nähte er sich einen Gürtel und stickte darauf: „Sieben auf einen Streich!“

Das Schneiderlein band sich den Gürtel um und wollte in die Welt hinaus, weil er meinte, die Werkstätte sei zu klein für seine Tapferkeit. Er packte ein Stück alten Käse in seine Tasche. Vor dem Tor bemerkte er einen Vogel, der sich in den Sträuchern verfangen hatte - der musste zu dem Käse in die Tasche.

Nach einer Weile traf das Schneiderlein auf einen Riesen, der auf einem Berg saß. Ohne Angst trat das Schneiderlein zu ihm hin und rief: „Guten Tag! Du sitzt da und besiehst dir die weitläufige Welt? Hast du Lust, mich zu begleiten?“ Der Riese lachte nur laut, doch das Schneiderlein zeigte ihm stolz seinen Gürtel. Der Riese staunte: „Sieben auf einen Streich?" Er glaubte, dass es sieben Menschen gewesen wären, die das Schneiderlein platt gemacht hat. Der Riese wusste nicht, was er sagen sollte, und konnte es gar nicht glauben. Er wollte den kleinen Mann testen.

Der Riese nahm einen Stein in die Hand und drückte ihn zusammen, dass das Wasser heraustropfte. „Das mach mir nach", sprach der Riese. „Ist's weiter nichts?" ,sagte das Schneiderlein. „Das ist ein Kinderspiel." Das Schneiderlein griff in die Tasche, holte den weichen Käse heraus und drückte ihn, dass der Saft herauslief. Der Riese wusste nicht, was er sagen sollte, und konnte es von dem Männlein nicht glauben.

Da hob der Riese einen Stein auf und warf ihn so hoch, dass man ihn mit Augen kaum noch sehen konnte. „Nun, du. Das mach mir nach." „Gut geworfen", sagte das Schneiderlein, „aber der Stein ist doch wieder zur Erde herab gefallen. Ich will dir einen werfen, der soll gar nicht wiederkommen." Das Schneiderlein griff in die Tasche, nahm den Vogel und warf ihn in die Luft. Der Vogel, froh über seine Freiheit, stieg auf, flog fort und kam nicht wieder. „Werfen kannst du wohl", sagte der Riese, „aber nun wollen wir sehen, ob du imstande bist, etwas Ordentliches zu tragen."

Er führte das Schneiderlein zu einem mächtigen Eichenbaum, der gefällt auf dem Boden lag, und sagte: „Wenn du stark genug bist, so hilf mir den Baum aus dem Wald heraustragen." „Gerne" ,antwortete der kleine „nimm du nur den Stamm auf deine Schulter, ich will die Äste mit dem Gezweig aufheben und tragen, das ist doch das schwerste." Der Riese nahm den Stamm auf die Schulter. Das Schneiderlein aber setzte sich auf einen Ast, und der Riese, der sich nicht umsehen konnte, musste den ganzen Baum und das Schneiderlein noch obendrein forttragen.

Nachdem der Riese die schwere Last ein Stück des Weges geschleppt hatte, konnte er nicht weiter und rief: „Hör, ich muss den Baum fallen lassen." Das Schneiderlein sprang schnell herab, fasste den Baum mit beiden Armen, als wenn er ihn getragen hätte, und sprach zum Riesen: „Du bist ein so großer Kerl und kannst den Baum nicht einmal tragen."

Sie gingen zusammen weiter, und als sie an einem Kirschbaum vorbeikamen, pflückte der Riese eine Krische und ließ den Baumstamm los. Das Schneiderlein aber war viel zu schwach, um den Baum zu halten, und als der Riese losließ, schnellte der Baum in die Höhe, und der Schneider wurde mit in die Luft geworfen. Als er wieder herabgefallen war, sprach der Riese: „Was ist das, hast du nicht die Kraft, die Äste zu halten?" „An der Kraft fehlt es nicht" ,antwortete das Schneiderlein. „Ich bin über den Baum gesprungen, weil die Jäger da unten in das Gebüsch schießen. Spring nach, wenn du es kannst." Der Riese machte den Versuch, konnte aber nicht über den Baum springen, sondern blieb in den Ästen hängen.

Der Riese sprach: „Wenn du ein so tapferer Kerl bist, komm mit in unsere Höhle und übernachte bei uns." Das Schneiderlein war bereit und folgte ihm. Als sie in der Höhle anlangten, saßen da noch andere Riesen beim Feuer. Der Riese wies ihm ein Bett zu und sagte, er solle sich hineinlegen und ausschlafen. Dem Schneiderlein war das Bett aber zu groß, es legte sich nicht hinein, sondern kroch in eine Ecke. Doch in der Nacht wollte der Riese das Schneiderlein loswerden und schlug heimlich mit einer Eisenstange auf das Bett, in dem das Schneiderlein eigentlich schlafen sollte. Am frühen Morgen gingen die Riesen in den Wald und hatten das Schneiderlein ganz vergessen. Da kam es auf einmal ganz lustig dahergeschritten. Die Riesen erschraken und fürchteten, es schlüge sie alle tot, und liefen hastig fort.

Das Schneiderlein zog weiter. Nachdem es lange gewandert war, kam es in den Hof eines königlichen Palastes, und da es Müdigkeit empfand, so legte es sich ins Gras und schlief ein. Ein paar Leute kamen vorbei und staunten. Sie lasen den Gürtel: „Sieben auf einen Streich!“ – „Oh! Ein großer Held!“, riefen sie. „Den dürfen wir nicht wegschicken – der ist bestimmt sehr stark!“ Sie gingen zum König und erzählten ihm vom Schneiderlein. Der König war neugierig und schickte einen Diener. Der Diener stellte sich neben den Schlafenden und wartete. Als das Schneiderlein sich streckte und die Augen öffnete, sprach der Mann: „Der König möchte dich in seinen Dienst nehmen.“ Das Schneiderlein nickte: „Eben deshalb bin ich hier!“

Das Schneiderlein wacht im Hof des Königspalast auf:

  • Die Kinder dehnen und strecken sich und gähnen, wie nach dem Aufwachen.

Der König nahm das Schneiderlein in seine Dienste und gab ihm sogar eine eigene Wohnung im Schloss.

Doch die anderen Soldaten im Palast wurden misstrauisch. „Wenn der wirklich sieben auf einen Streich schlägt – was passiert dann, wenn wir uns mit ihm streiten?“, flüsterten sie. Sie bekamen Angst und baten den König, gehen zu dürfen. Der König wollte aber nicht seinen treuen Diener verlieren, sondern lieber das Schneiderlein loswerden, aber er traute sich nicht, ihn einfach wegzuschicken.

Stattdessen hatte er eine Idee: Er schickte dem Schneiderlein eine Botschaft: „Wenn du wirklich so mutig bist, dann bezwinge doch zwei gefährliche Riesen, die im Wald hausen. Wenn du das schaffst, bekommst du meine Tochter zur Frau und das halbe Königreich.“

Das Schneiderlein antwortete: „Kein Problem! Wer sieben auf einen Streich trifft, braucht sich vor zwei Riesen nicht zu fürchten!“ So machte er sich auf den Weg. Die hundert Ritter, die ihn begleiten sollten, ließ er zurück. „Ich schaffe das allein“, sagte er.

Tief im Wald fand er zwei Riesen – sie schliefen und schnarchten so laut, dass sich die Bäume bewegten…

Die zwei Riesen:

  • Die Kinder imitieren das Schnarchen der beiden Riesen.

Das Schneiderlein sammelte seine Taschen voll mit Steinen. Dann kletterte es vorsichtig auf einen Baum, direkt über die beiden schlafenden Riesen.

Leise ließ es den ersten Stein auf die Brust eines Riesen fallen. Der wachte auf, rieb sich die Augen und schubste seinen Nachbarn: „Warum schlägst du mich?“ – „Ich? Gar nicht! Du träumst wohl!“, brummte der andere und schlief weiter. Da warf das Schneiderlein dem zweiten Riesen einen Stein auf den Bauch. Auch dieser erwachte verärgert: „Hör auf, mich zu werfen!“ – „Ich war das nicht!“, knurrte der erste. Sie stritten eine Weile, doch dann legten sie sich wieder hin. Nun nahm das Schneiderlein den dicksten Stein und warf ihn mit voller Kraft auf einen der Riesen. Der sprang wütend auf und stieß seinen Gefährten so heftig gegen den Baum, dass die Äste bebten. Jetzt ging der Streit richtig los! Die beiden Riesen rissen ganze Bäume aus, brüllten und schlugen aufeinander ein. Am Ende lagen beide Riesen erschöpft und kampflos am Boden – tot. Das Schneiderlein kletterte fröhlich vom Baum herunter, klopfte sich den Staub von der Kleidung und sagte: „Geschafft! Ein Glück nur, dass sie den Baum, auf dem ich saß, nicht ausgerissen haben."

Dann ging er zu den Reitern, die am Waldrand gewartet hatten, und rief: „Ich habe es geschafft! Die Riesen sind besiegt. Sie haben sich mit aller Kraft gewehrt, aber ich war schneller!“ „Bist du verletzt?“, fragten die Ritter. Das Schneiderlein lachte: „Nicht ein Haar wurde mir gekrümmt!“ Die Ritter wollten sich selbst davon überzeugen und ritten in den Wald. Dort fanden sie die beiden toten Riesen und viele umgestürzte Bäume.

Als das Schneiderlein dem König von seinem Sieg berichtete, wurde der blass. Der König wollte ihn noch immer loswerden. Also dachte er sich eine neue Aufgabe aus: „Im Wald lebt ein gefährliches Einhorn. Wenn du das fängst, bekommst du meine Tochter und das halbe Königreich.“ „Vor einem Einhorn fürchte ich mich nicht!“, sagte das Schneiderlein. „Ich habe doch sieben auf einen Streich geschafft!“ Er nahm einen Strick und eine Axt mit und ging allein in den Wald. Die Ritter ließ er wieder zurück. Nach kurzer Zeit hörte er Hufgetrappel – das Einhorn galoppierte auf ihn zu und wollte ihn mit dem Horn aufspießen. Das Schneiderlein blieb ruhig stehen – und sprang im letzten Moment hinter einen Baum. Das Einhorn rammte sein Horn so tief in den Stamm, dass es feststeckte. „Jetzt hab ich dich!“, rief das Schneiderlein, band dem Tier schnell den Strick um den Hals und hieb mit der Axt das Horn aus dem Baum. Dann führte er das Einhorn stolz zum König.

Aber der König wollte seine Tochter immer noch nicht verheiraten. Also gab er dem Schneiderlein eine dritte Aufgabe. „Im Wald treibt ein Wildschwein sein Unwesen und richtet großen Schaden an. Wenn du es fängst, bekommst du endlich deine Belohnung“, sagte der König. „Kein Problem“, sagte das Schneiderlein. „Das ist ein Kinderspiel.“ Auch diesmal nahm er die Jäger, die ihn begleiten sollten, nicht mit. Die waren froh darüber – das Wildschwein war ihnen viel zu gefährlich. Schon bald kam das Wildschwein auf ihn zugerannt – mit schäumendem Maul und scharfen Zähnen. Doch das Schneiderlein blieb ruhig. Das Schneiderlein sprang flink in eine kleine Kapelle, die in der Nähe stand – und sofort auf der anderen Seite wieder zum Fenster hinaus. Das Wildschwein rannte hinterher in die Kapelle hinein – aber es war zu schwer und zu ungeschickt, um ebenfalls durchs Fenster zu springen. Schnell rannte das Schneiderlein zur Tür und schlug sie hinter dem Tier zu. Gefangen! Es rief die Jäger, die staunten nicht schlecht, als sie das eingesperrte Tier sahen.

Das war nun die dritte Aufgabe – und das Schneiderlein ging zurück zum König, um sich endlich seine Belohnung zu holen.

Der König konnte nun nicht mehr anders – er musste dem Schneiderlein seine Tochter zur Frau geben und ihm das halbe Königreich überlassen. So wurde eine große Hochzeit gefeiert. Alle kamen zusammen, es wurde Musik gespielt, getanzt und gegessen.

Nach einiger Zeit, in einer stillen Nacht, wachte die Prinzessin plötzlich auf. Ihr Mann sprach im Schlaf: „Junge, flick mir die Hosen!“ Da wurde ihr klar: „Oh nein! Mein Mann ist gar kein großer Held – er ist ein Schneider!“ Am nächsten Morgen lief sie zu ihrem Vater und bat ihn: „Bitte hilf mir! Ich möchte keinen Schneider zum Mann haben!“ Der König versprach: „Lass heute Nacht deine Tür offen. Meine Diener werden ihn heimlich holen und auf ein Schiff bringen, das ihn weit weg bringt.“ Doch ein Diener, der das Gespräch belauscht hatte, war dem Schneiderlein gut gesinnt und verriet ihm den Plan. „Dem werde ich einen Strich durch die Rechnung machen!“, sagte das Schneiderlein. Am Abend legte er sich wie gewohnt neben seine Frau ins Bett und tat so, als würde er schlafen. Die Prinzessin stand leise auf, öffnete die Tür – und legte sich wieder hin. Da rief das Schneiderlein plötzlich laut in die Nacht hinein: „Junge, flick mir die Hosen! Ich habe sieben auf einen Streich besiegt, zwei Riesen erledigt, ein Einhorn gefangen und ein Wildschwein ausgetrickst – und ich soll Angst haben vor ein paar Leuten draußen vor der Tür?!“ Als die Wachen das hörten, bekamen sie es mit der Angst zu tun. Sie rannten davon – und keiner wagte sich je wieder an ihn heran. Und so blieb das Schneiderlein König – sein Leben lang.

Aktivität 3

Malen
Einzelarbeit
5 min.
weiße DIN-A4 Papier + Stifte

Lehrkraft:

„Welche Stelle aus dem Märchen hat dir am besten gefallen? Vielleicht eine lustige Szene, ein spannender Moment oder deine Lieblingsfigur? Such dir etwas aus und male dazu ein Bild.“

Wenn noch Zeit ist...

... kann die Klasse die entstandenen Bilder gemeinsam den Begriffen aus der Märchensuppe (z. B. Held:in, Bösewicht, Magie) zuordnen und besprechen, warum das jeweilige Bild gut zu dieser Kategorie passt. 

Kompetenzen dieser Lerneinheit:

Die Schüler:innen... 

... benennen charakteristische Merkmale des Genres Märchen.
… lernen das Märchen „Das tapfere Schneiderlein” kennen.
... drücken ihre Eindrücke und Vorstellungen des gehörten Märchens in einem Bild aus.
... reflektieren ihre Bilder gemeinsam, indem sie diese den Charakteristika von Märchen zuordnen.